Noah Sing holt bei der Weltmeisterschaft in Paraguay vier Mal Edelmetall. Ein Reisebericht über große Herausforderungen, Wetterkapriolen und den mentalen Triumph eines Spitzensportlers.
Es ist der Moment, auf den ein Sportler lange hinarbeitet. Nach Jahren an der absoluten Weltspitze hat sich Noah Sing endlich belohnt: Mit drei Goldmedaillen und einmal Bronze kehrte der Inline-Slalom-Spezialist von den World Skate Games (WSG) aus Paraguay zurück.
Welle der Hilfsbereitschaft rettet den WM-Traum
Bereits im März 2025 stand fest, dass die World Skate Games in der paraguayischen Hauptstadt Asuncion stattfinden würden. Noah Sing war als einziger Sportler der SV Winnenden nominiert, um Deutschland im siebenköpfigen Nationalteam zu vertreten.
Die erste Hürde war jedoch rein bürokratischer Natur: Weil die offizielle Nominierung und die Vorgabe der verbindlichen Teamhotels erst rund drei Monate vor den Spielen erfolgten, stiegen die Reisekosten massiv an. Doch auf seine Heimat und sein Umfeld konnte sich Noah Sing verlassen: Durch einen kurzfristigen Spendenaufruf steuerten Freunde, Arbeitskollegen, Verwandte und ein großzügiger Sponsor den Hauptanteil der Kosten bei – eine fantastische Unterstützung, die den Traum überhaupt erst möglich machte.
Mit großem Kämpferherz nach Südamerika
Auch die sportliche Vorbereitung forderte vollen Einsatz. Beide Knie machten dem Top-Athleten seit Monaten Probleme und zu allem Überfluss verletzte er sich drei Wochen vor dem Abflug am rechten Zeigefinger. Mit weniger Training als erhofft, aber umso mehr Willenskraft trat er die über 30-stündige Reise über München, Zürich und Sao Paulo an. Am Flughafen wartete eine ungeplante Geduldsprobe: Ein spezialisierter Sportreisedienstleister hatte vergessen, das Sportgepäck zu buchen. Dank des schnellen Eingreifens des deutschen Rollsport- und Inline-Verbandes, der die Nachgebühr unkompliziert vorschoss, und nach bangem Warten am Kofferband, kam die essenzielle Ausrüstung am Ende glücklicherweise pünktlich an.
Die knifflige Schlüsselkurve am Vulkan
Die Rennstrecke führte den Cerro Lambaré hinab, einen steilen Vulkan-Hügel direkt am Fluss Paraguay, rund 12 km vom Stadtzentrum entfernt. Dass der dort frisch geteerte Asphalt eine enge 165-Grad-Haarnadelkurve mit starkem Gefälle bereithielt, war den Teams vorab bekannt. Die Absprache war flexibel gehalten: Die Kurve sollte nur gefahren werden, wenn sie sich in den Tests als fahrbar erweist – andernfalls sollte der Start nach oben verlegt werden.
Das deutsche Team absolvierte an drei Testtagen Probeläufe. Es gab unzählige Stürze und einige Verletzungen. Die Mehrheit der Testfahrer plädierte für eine Verlegung des Starts nach oben. Trotz dieser Empfehlung entschied die Rennleitung: Die Kurve wird gefahren. Für Noah Sing war das eine knifflige Ausgangslage, da dieser Kurs den fahrerischen Vorteil der absoluten Topspeed-Spezialisten ein Stück weit ausbremste.

Voller Fokus in der Schlüsselstelle: Noah Sing im Slalom-Wettbewerb kurz vor der Einfahrt in die anspruchsvolle Haarnadelkurve. Foto: Luis Velasco
Nervenprobe im paraguayischen Regen
Als wäre die Strecke nicht schon Herausforderung genug, schlug das Wetter um. Zwei der fünf Disziplinen wurden im Nassen ausgetragen. Die absolute Höchststrafe für Inline-Alpin-Skater ist abtrocknender Asphalt, da sich der Grip auf der Straße sekündlich verschlechtert. Zudem streikte immer wieder die Zeitmessung des Ausrichters, die über keine redundante Backup-Anlage verfügte. Musste ein Lauf wegen Technikausfalls wiederholt werden, war das ein Vorteil für den wiederholenden Sportler. Noah Sing gab offen zu, dass diese Bedingungen an den Nerven zehrten: „Mehrjährige Vorbereitung und hartes Training verpuffen gefühlt in einem reinen Zufallsrennen“, so sein damaliges Zwischenfazit.
Mentaler Neustart führt zum Gold-Rausch
Nach einem für ihn unglücklichen siebten Platz im Riesenslalom drohte die WM für Sing mental zu kippen. Doch seine Trainer und Betreuer aus Deutschland sowie Freunde vor Ort bauten den Winnender auf. Die neue Devise: Die Bedingungen mit einem Lächeln annehmen, das Beste daraus machen und fokussiert bleiben.
Und genau das tat er. Mit freiem Kopf ging Noah Sing am nächsten Tag in den Slalom-Wettbewerb. Trotz eines Beinahe-Sturzes im strömenden Regen behielt er die Nerven und raste mit einem souveränen Vorsprung von 1,25 Sekunden zum lang ersehnten Weltmeistertitel.
Der Knoten war geplatzt: Im Kombinationswettbewerb am nächsten Tag trotzte er als letzter Starter der tückisch abtrocknenden und immer rutschiger werdenden Strecke und sicherte sich eine hochverdiente Bronzemedaille. In den Teamwettbewerben (Slalom und Riesenslalom) zeigte er bei endlich trockenen Bedingungen fehlerfreie, sichere Läufe und steuerte maßgeblich zwei weitere Goldmedaillen für das Team Deutschland bei.
Mit viermal Edelmetall im Gepäck hat Noah Sing bewiesen, dass er nicht nur sportlich, sondern auch mental zur Weltelite gehört. Die SV Winnenden freut sich über die tollen Leistungen des Athleten!

Die Erleichterung ist riesig: Noah Sing jubelt kurz nach der Zieldurchfahrt im Slalom über den Gewinn des Weltmeistertitels. Foto: Worldskate
Hintergrund: Die World Skate Games
Die World Skate Games (WSG) sind das größte Multisport-Event der Welt für Sportarten auf Rol-len. Über 6.000 Athleten traten in Asuncion in 11 Sportarten und 40 Disziplinen (u.a. Skateboard, Rollkunstlauf, Inline-Hockey, Speedskating und Inline-Slalom) gegeneinander an. In sämtlichen Disziplinen werden bei diesem Event die offiziellen Weltmeisterschaften ausgetragen.